US: Erzählnacht
Eine Nacht zwischen den Zeiten: Lesenacht am 15. Januar 2026 der Primarschule Villmergen
Die Dunkelheit legt sich über die Stadt. Der Nebel trübt durchsichtig den Hof ein. Feucht und kalt kriecht die Abendluft aus dem Wald in die Strassen. Die Laternen werfen getrübt das Licht, ein Wolkenschleier um schleicht es. Ruhe ist in der Stadt. Plötzlich aus dem Nichts; Stimmen, Gelächter und Gezeter, Papier rascheln, ein heimliches Flüstern. Dann wieder Ruhe, wieder Dunkelheit. In der vergangenen Woche verwandelte sich der ehrwürdige Hof der Primarschule Villmergen in einen Ort, an dem die Uhren anders ticken. Unter dem Motto einer magischen Zeitreise erlebten die Schülerinnen und Schüler eine Lesenacht, die den Bogen von der tiefsten Vergangenheit bis weit in die Zukunft spannte.
Der Schauplatz hätte nicht passender sein können. Die langen Gänge im Altbau der Schule wirkten im Kerzenschein wie aus der Zeit gefallen. Zwischen knarrenden Treppen und versteckten Winkeln – den kleinen Bijoux unserer Schulanlage – fanden die Kinder gemütliche Leseecken, in denen die Welt ausserhalb der Schulmauern schnell in Vergessenheit geriet.
Eine der diesjährigen Geschichten handelt von ein geheimnisvoller Uhrmacher. Doch er war kein gewöhnlicher Handwerker; er war ein Tüftler, der die Zeit verstehen will. Gemeinsam mit der kleinen Maus und den Kindern suchte er in den Büchern nach Antworten: Kann man die Zeit anhalten? Oder sie gar zurückdrehen?
Die Reise führte die jungen Leserinnen und Leser zurück zu den Meilensteinen der Menschheit. Ein besonderes Highlight war die Erzählung über Armstrong und was geschah, als der erste Mensch den Mond betrat. In diesem Moment schien die Zeit für die ganze Welt stillzustehen – ein Gefühl, das im abgedunkelten Schulzimmer fast greifbar wurde.
"Es war einmal und wird noch lange sein..." – so begannen nicht nur die Märchen des Abends, sondern so fühlte sich auch die Gemeinschaft der Kinder an, während sie in fremde Welten eintauchten.
Doch eine Zeitreise endet nicht in der Vergangenheit. Während draussen die Nacht über Villmergen hereinbrach, flüsterten die Kinder die Zeilen eines alten Zeit-Gedichts: "Das Gestern gilt noch nicht, und morgen bin ich im Sternenlicht." Es war die Essenz des Abends: Das Lesen erlaubt es uns, den Moment zu verlassen und überall dort zu sein, wo unsere Fantasie uns hinführt.
Müde, aber mit funkelnden Augen und Köpfen voller Geschichten, endete die Reise für die 19 Gruppen. Die Lesenacht hat einmal mehr bewiesen, dass Bücher die besten Zeitmaschinen sind, die wir besitzen.